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bergpunkt Blog

Hurra, wir sind da!

Die ersten Gruppen der TransalpSüd erreichen Chamonix


Mehrere Gruppen von bergpunkt waren in den letzten Wintern auf der TransalpSüd, zwischen Nizza und Chamonix, unterwegs. Nun haben drei Gruppen Chamonix – und damit ein grosse Etappenziel des Projekts «Transalp» – erreicht. Wie sich das anfühlt? Michael Wicky, Mit-Gründer von bergpunkt, erzählt davon.


Michael Wicky, du hast eine der drei Gruppen geführt, die vor kurzem Chamonix erreichten. Wie fühlst du dich?
Ganz ehrlich? Das Ankommen in Chamonix war für mich ein Highlight meiner Bergkarriere!

Du hast ein paar Jahre dafür gearbeitet.
Nicht nur ich. Das ist mir wichtig zu sagen. Mein bergpunkt-Mitgründer Emanuel Wassermann war immer gleichzeitig mit einer Gruppe unterwegs. Und Bergführer Dani Silbernagel führte eine weitere Gruppe. Emanuel und ich waren während fünf Wintern unterwegs, Dani während sechs. Wobei Dani zum Wegbereiter wurde, weil er oft bei schwierigen Bedingungen ein Jahr vor uns unterwegs war und wir – so wollte es der Zufall – meist beste Verhältnisse und Wetterglück hatten und zusätzlich von seinen Tipps, Tricks und Infos profitierten.

Hat das Dani nicht gefuxt? Er hatte die Plackerei und ihr das Dessert!
Nein, Dani mag diese Herausforderungen und ist super, wenn es darum geht neue Gebiete zu erkunden, mit anspruchsvollen Verhältnissen klarzukommen, zu improvisieren und clever am Berg zu entscheiden. Und genau das ist wichtig bei der Transalp: sich auf das Unbekannte, das wahre Abenteuer, einzulassen. Auch einfach mal hinzugehen und dann das Beste daraus zu machen. Das hat Dani immer geschafft.

Du klingst nach sechs Jahren TransalpSki genauso enthusiastisch wie am ersten Tag, wenn du von diesem Projekt sprichst.
Das Projekt gibt mir alles, was mich beim Bergsteigen fasziniert. Allem voran Abenteuer und die Einsamkeit in der Natur. Oft gab es Teilstücke auf unseren Tourenwochen, zu denen wir kaum oder gar keine Routeninfos hatten. Und ohne zu übertreiben: Wir haben fast die ganze TransalpSüd selbst angespurt. Das ist grossartig!

Das klingt fast nach kleinen Expeditionen in unseren Alpen.
Tagsüber war es das. Nachts aber hatten wir es bequem: Weil wir fast jeden Tag in ein Tal abfuhren, logierten wir oft in kleinen, charmanten Hotels. Was uns auch ermöglichte, nicht nur eine unbekannte Bergwelt, sondern auch die Kultur und Bewohner der Gegend kennenzulernen. Das war mindestens so schön!

Welche Momente wirst du nie mehr vergessen?
Da gibt es viele. Zum einen die Landschaften: Unser Start am Meer etwa, dann die ersten Dreitausender im Süden, der formschöne Monte Viso als Herrscher der Cottischen Alpen, den wir ganz nah passierten. Immer wieder der Blick auf die Weite der Po-Ebene. Oder die Besteigung des über 3600 m hohen Albaron. Und zum Schluss natürlich der Mont Blanc, an dessen Seite wir durch das weltbekannte Vallée Blanche kurvten. Und dann gab es unzählige kleine Momente, die lustig oder zumindest im Nachhinein amüsant waren.

Wie etwa?
Zum Beispiel im Refuge des Merveilles – der Hütte der Wunder – eine Nacht lang zu frieren. Oder nach einem regnerischen Tag im Valle Susa endlich den Taxifahrer zu treffen, der uns nach unserem «Buongiorno» nur schräg anschaute, «Nix Buongiorno» sagte und danach für den Rest der Fahrt schwieg!

Ihr seid zwischen Frankreich und Italien gependelt. Hand aufs Herz: Wo hat es dir besser gefallen?
(lacht)
Das Essen und der Kaffee waren klar besser in Italien! Und die grossartigen Skitourentäler des Valle Stura und Valle Maira oder die unbekannteren Skitourendestinationen des Valle Varaita und Valle Po bleiben unvergesslich. Während in Frankreich der Mercantour-Nationalpark oder der Haute Maurienne auch einsam und damit unglaublich eindrücklich waren.

Und die obligate Frage zum Ende: Wie geht es weiter?
Wir haben das mit den Gruppen diskutiert. Alle sind motiviert, weiterhin auf der Transalp unterwegs zu sein und dies am liebsten in Gebieten, die sie nicht kennen. Deshalb starten wir mit unseren Gruppen nächsten Winter mit der TansalpOst, die uns von der Schweizer Grenze bis vor die Tore Wiens führen wird.

Das klingt nach einem weiten Weg!
Acht Wochen gleich acht Jahre! Die meisten von uns sind zwischen 50 und 65 Jahre alt. Deshalb sagten wir uns: Im ersten Teil bis zum Grossglockner stehen noch ein paar Gletscherberge an. Und die kleineren Berge Richtung Wien schaffen wir auch noch, wenn wir alle schon ein wenig älter sind!



RANDNOTIZ: WAS ES BRAUCHT FÜR DIE TRANSALP
Rein sportlich müssen unsere Gäste einiges an Skitourenerfahrung mitbringen für die TransalpSki-Etappen: 1500 Höhenmeter mit Wochenrucksack sollten gut drin liegen und ausnahmsweise können es auch mal 1800 Höhenmeter an einem Tag sein. Zudem braucht es eine gute Aufstiegs- und Abfahrtstechnik für die steileren Teilstücke. Die alpintechnischen Erfahrungen sind dagegen weniger wichtig: Wir haben zwar meist Leichtsteigeisen dabei, haben sie aber selten verwendet. Es ist jederzeit möglich, in unser Projekt TransalpSki einzusteigen. Wir bieten weiterhin jeden Winter Etappen aus allen drei Teilstücken TransalpSüd, TransalpSchweiz und TransalpOst an.


Interview: Caroline Fink | Bilder: Christian Jaeggi