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bergpunkt Blog

«Ich habe meinen magischen Ort gefunden»

Wie eine Skitourenwoche im Valle Maira ein Leben veränderte


Loa Buchli, 46, aus Biel kündigte ihre Stelle beim Bund und eröffnete dieses Jahr ein Restaurant im Valle Maira. Was alle glücklich macht: die Gäste, die lokalen Produzenten und Loa selbst.

LOA BUCHLI, DU HAST BEIM BUND GEARBEITET UND IN BIEL GELEBT – JETZT FÜHRST DU EIN RESTAURANT IM PIEMONTESISCHEN VALLE MAIRA. WARUM EIN SOLCHER RICHTUNGSWECHSEL?
Ich hatte seit Jahren das Bedürfnis, meinen Fussabdruck auf der Erde zu minimieren und möglichst viel dazu beizutragen, umweltfreundlich zu leben. Beim Bundesamt für Umwelt tat ich dies von den Themen meiner Arbeit her. Ich wollte aber etwas Konkreteres. Und da ich nun in der Hälfte meines Arbeitslebens stehe, schien mir die Zeit für etwas Neues gekommen zu sein.

EIN MUTIGER SCHRITT.
(lacht)
Je älter, desto radikaler werde ich. Und der Wunsch, ein vegetarisches Restaurant an einem magischen Ort zu führen, wuchs schon lange in mir.

UND WAS HAT BERGPUNKT DAMIT ZU TUN?
Vor eineinhalb Jahren war ich mit bergpunkt für eine Skitourenwoche im Valle Maira unterwegs – und war wie vom Blitz getroffen. Ich hatte meinen magischen Ort gefunden!

BIS ZUM RESTAURANT FEHLTEN ABER NOCH EIN PAAR SCHRITTE.
Es gab sich alles durch glückliche Umstände. Im Sommer darauf kehrte ich zum Radfahren ins Valle Maira zurück. Als es während einer Velotour in Strömen regnete, stellte ich mich bei einem Hausdach unter und kam dort ins Gespräch mit einem «commercialista», einem italienischen Wirtschaftsprüfer, aus der nahen Stadt Cuneo. Langer Rede, kurzer Sinn: Ich erzählte ihm von meinem Wunsch. Er fand es verrückt, dass eine Schweizerin ihre feste Stelle für eine unsichere Zukunft in Italien kündigt, doch er wollte mich unterstützen. Dank ihm fand ich auch das Lokal für die «Casa Loa».

VERRÜCKT KÖNNTE MAN AUCH FINDEN, ALS SCHWEIZERIN EIN RESTAURANT IM PIEMONT ZU ERÖFFNEN. DAS PIEMONT IST WELTBEKANNT FÜR SEINE KÜCHE!
Ein Restaurant ginge noch, aber ein Vegi-Restaurant! Das Piemont ist ja auch für Fleischgerichte bekannt. Du hättest die Reaktionen erleben sollen, die das auslöste! Eine einheimische Frau legte mir fast täglich nahe, doch wenigstens ein Fleischgericht anzubieten. Ich überlegte es mir, verwarf die Idee aber, da dies für mich nicht authentisch gewesen wäre. Ich will eine kreative, vegetarische Küche anbieten mit Produkten, viele davon Bio, aus der nächsten Umgebung.

WARUM DENN VEGETARISCH?
In erster Linie aus ökologischen Gründen. Übermässig Fleisch zu konsumieren, ist eines der grössten Umweltprobleme. Ich möchte zeigen, dass Genuss auch ohne Fleisch möglich ist.

WIE REAGIEREN DIE GÄSTE DARAUF?
Die Italiener sind sehr standardisiert, auch in der Küche. Man macht es genau so, wie man es immer schon gemacht hat. Ich kombiniere Dinge, die sie noch nie so gegessen haben, und meine Gäste finden das toll.

BEKOCHST DU VOR ALLEM ITALIENER?
Erstaunlicherweise ja. Es erschienen Beiträge über mich in nationalen Zeitungen Italiens. Viele Leser wurden neugierig und so kamen den ganzen Sommer über Gäste aus der Gegend, aus der nahen Stadt Cuneo und sogar aus Turin. Viele kamen mehrmals oder hatten von Freunden von der «Casa Loa» gehört. Bei Ausländern wird es etwas länger dauern: Die können nicht rasch Freunde vorbeischicken und in den Reiseführern bin ich noch nicht erfasst.

VERRÄTST DU UNS, WO DU KOCHEN GELERNT HAST?
Anfang 20 hatte ich einen italienischen Freund. Der konnte nicht kochen, aber seine Mamma und Nonna konnten es. Denen habe ich vieles abgeschaut. Ich lernte: Mit einfachen, aber guten Zutaten kann man Wunderbares zubereiten.

WIE OFT BIST DU NUN IM VALLE MAIRA?
Diesen Sommer – der erste Sommer – war ich von Juni bis September im Restaurant. Jetzt verbringe ich einige Monate in Biel und arbeite in einer Bar, um von Februar bis März zur Skitourensaison wieder in der «Casa Loa» zu sein. Und künftig hoffentlich auch über Weihnachten und Neujahr. Doch bisher lohnt es sich noch nicht, das ganze Haus für einen oder zwei Gäste zu heizen.

HAST DU NOCH ZEIT, UM MIT BERGPUNKT AUF TOUR ZU GEHEN?
Zeit schon, aber kein Geld mehr!
(lacht)
Was schade ist, da ich eine wirklich treue Kundin war und sowohl die Bergführer und anderen Gäste von bergpunkt immer sehr schätzte.

UND FÜR ALLE, DIE BALD HUNGRIG IM VALLE MAIRA SIND: WO FINDEN SIE DIE «CASA LOA»?
Es ist ganz einfach: Sie fahren von Cuneo ins Valle Maira und biegen auf halber Höhe des Tals ab, fahren nach Marmora und, den Wegweisern folgend, weiter bis Borgata Reinero. Wobei das Restaurant einfach zu finden ist: Es sind gibt nur eine Handvoll Häuser im Weiler und die «Casa Loa» steht direkt am Dorfplatz!