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bergpunkt Blog

Aus dem Paradies vertrieben

Die letzte Etappe der TransalpSüd versinkt im Schnee


Für die letzte Etappe der TransalpSüd, vom Aostatal nach Chamonix, liess der Wetterbericht nichts Gutes ahnen. Und er hielt, was er versprach: Schnee ohne Ende. Dennoch fanden wir im Val di Rhêmes mehr als einen Lichtblick.

Als wir im Refuge de Fond, zuhinterst im Val di Rhêmes, ankommen, scheint die Sonne. Nicht draussen, aber in der Stube. Denn dort begrüsst uns Mustafa mit einem strahlenden Lachen und einem «bienvenue, les amis de la montagne!». Mustafa ist aus der marokkanischen Stadt Rabat und arbeitet seit 11 Jahren im Aostatal.

Ob es in Rabat Berge gebe, wollen wir von ihm wissen. Er lacht. «Non! Dort gibt es Strände!» Ein Schock seien der erste Schnee und ein Tag mit -27 Grad Celsius im Refuge de Fond gewesen. «Aber jetzt ist Mustafa auf alles vorbereitet», sagt er von sich selbst. Deutet auf die Zipfelmütze, die er trägt, und die Daunenjacke, die in der Küche an der Wand hängt. Daneben baumeln eine Skibrille und eine Schwimmbrille an einem Holzgestell. «Die brauche ich im Schneetreiben.»

Recht hat Mustafa, denke ich mir, als ich aus dem Fenster blicke. Draussen treibt der Wind den Schnee um die Hütte, während Vorhänge aus Flocken die Gipfel des Val di Rhêmes verhüllen. Und so machen wir es uns in der Holzstube gemütlich, die sich bald mit dem Duft von Minestrone, Polenta und orientalischer Herzenswärme füllt. Bloss eines kann Mustafa nicht ändern: den Wetterbericht für die kommenden Tage, der wie eine Schlechtwetterphase im Hochwinter ausschaut.

Am zweiten Tag steigen wir denn auch in einer Waschmaschine aus Schnee und Wind dem Colle Bassac Derè entgegen. Bis es keinen Sinn mehr macht: Wir kehren um und fahren – oder besser: spuren im knietiefen Neuschnee – wieder talauswärts. Wobei ein Zauber am Werk gewesen sein muss: Das Val di Rhêmes ist über Nacht mindestens doppelt so lang geworden!

Drei Stunden dauert es, bis wir wieder auf Feld eins sind. Im Dorf Rhêmes-Notre-Dame, wo wir am Vortag bei Schneeregen losmarschiert sind. Unser Glück: In diesem Dorf steht auch das Hotel «Chez Lidia». Und Lidias Sohn Fabrizio tischt uns abends im weissen Kochkittel Risotto, Hirschgulasch, im Rotwein geschmortes Rindfleisch und Polenta auf, gefolgt von einer Auswahl an Desserts, die selbst diesen Tag rettet (siehe Beweisvideo unten).

Nur eines stimmt immer noch nicht: der Wetterbericht für den Süden. Die angesagte Südstaulage vertreibt uns aus dem Paradies. Wir packen die sieben Sachen, steigen am nächsten morgen früh wieder ins Taxi und fahren nordwärts. Dorthin, wo der Himmel blau ist, die Berge genauso schön und der Wind... doch das ist eine andere Geschichte. Lesen Sie mehr dazu im nächsten Blog.

Bild, Text & Video: Caroline Fink, www.caroline-fink.ch