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bergpunkt Blog

IM OSTEN SCHÖN!

TransalpOst 1. Etappe

Die erste Etappe der TransalpOst führte die bergpunkt-Gruppe und Bergführer Roman Hinder zu den Gipfeln des Südtirols und Ötztals. Wie es dort war? Ein Tagebuch der Teilnehmenden lässt uns eintauchen in die Welt der Kogel, Ferner und Kaiserschmarren.

Sonntag, 30. März: Abendsonne auf dem Balkon Vom schweizerischen Scuol fahren wir im Nu mit dem Bus nach Nauders. Direkt aus dem Skigebiet geht es auf eine Eingehtour mit leichtem Gepäck. Durch ein abgelegenes Tal steigen wir hinauf zum Pedrossschartl. Die Abfahrt? Stahlblauer Himmel, milde Temperaturen und perfekter Pulverschnee! Den Abend verbringen wir anschliessend im Langtauferer Hof in Graun im Südtirol, wo wir in der Abendsonne auf dem Balkon sitzen, bis uns südtiroler Gastfreundschaft und ein Nachtessen ins Gasthaus locken. So kann es weitergehen! PS: Wir, das sind übrigens Martina, André, Bernd, Roberto und Bergführer Roman.

Montag, 31. März: Weitblick auf der Langtauferer Spitze Wir starten morgens im Dunkeln und ziehen nach Tagesanbruch gemächlich vorbei an der Melager Alm, an der Weisskugelhütte und weiter über den Langtauferer Ferner in Richtung Langtauferer Joch. Immer wieder blicken wir zum mächtigen Gletscherabbruch des Gepatschferners hoch. Bis die Route unsere ganze Aufmerksamkeit verlangt: Spitzkehren, Ski aufschnallen, am Seil sicher hochsteigen bis ins Joch und weiter auf die 3529 Meter hohe Langtauferer Spitze. Hier wird der Aufstieg von fast 1800 Höhenmetern belohnt: Wir blicken von den Dolomiten über den Ortler Alpen bis zur Bernina! Windjacke und Softshell bleiben im Rucksack – dank der schon heissen Mittagssonne. In weiten Bogen geht es danach über den Hintereisferner talwärts bis zum Hochjoch Hospiz. Wo uns auffällt: Fast unbemerkt haben wir heute die Landesgrenze von Italien nach Österreich überquert.

Dienstag, 1. April: auf der mächtigen Weisskugel Früh morgens steigen wir in der frischen Morgenluft über den Hintereisferner. Immer schön in Richtung unseres Tagesziels: der Weisskugel. Nur – wo ist sie denn? Erst nach einem langen Aufstieg lässt sich der imposante Gipfel das erste Mal blicken. Doch jeder Höhenmeter der Tour lohnt sich: Auf dem Wintergipfel der 3739 Meter hohen Weisskugel fühlen wir uns wie auf einem Thron, als wir auf die Welt der Ötztaler und Stubaier Alpen blicken. Wir sind uns einig: Das ist einfach kaiserlich! Wie übrigens auch die anschliessende Abfahrt. Durch samtigen Firn schwingen wir nach Kurzras, wo wir die Sonnenterrasse und Sauna an einem Ort geniessen, dessen Name Programm ist: im Gasthof «Schöne Aussicht».

Mittwoch, 2. April: Steigeisen und Kaiserschmarren (endlich!) Nach zwei langen Tagen ist heute die nahe Fineilspitze unser Ziel. Im Morgenlicht ziehen wir los, steigen dann vor der Kulisse der Ötztaler Bergwelt vorbei am Hauslabjoch zum Skidepot, zurren die Bändel der Steigeisen fest und steigen an Romans Seil über besten Trittschnee zum Gipfel hoch. Und wieder staunen wir: Was für ein Panorama! Allerdings sehen wir diesmal auch die Wolken, die von Süden her in unsere Richtung schleichen und wenig später unser Gipfelziel in Watte hüllen. Was uns indes wenig kümmert: Schon am Mittag sitzen wir auf der Terrasse der Martin-Busch-Hütte, wo immer noch die Sonne scheint. Hier strecken wir die Beine, schreiben, lesen, dösen und: essen endlich den Kaiserschmarren, von dem wir tagelang geredet haben!

Donnerstag, 3. April: Gletschertore und Canyons des Gurgler Ferner Heute steht der 3540 Meter hohe Schalfkogel auf dem Programm. Zur Abwechslung bleibt der Himmel über uns jedoch bedeckt und ein kräftiger Wind weht. Ausserdem wartet die Abfahrt heute mit Bruchharst auf, was einem Test für Ski und Fahrer gleichkommt. Dabei wissen wir eines besonders zu schätzen: unsere super Gruppe! Wir nehmen es gemütlich und helfen uns dann und wann gegenseitig wieder auf die Beine. Weiter unten am Gletschertor des Gurgler Ferners staunen wir nicht schlecht: Wir stehen vor einer riesigen Eishöhle! Und als wäre das nicht Spektakel genug, kurven wir danach durch einen eindrücklichen Canyon, den der Gletscher zurückgelassen hat, hinab ins Tal.

Freitag, 4. April: das Eiskögele und die Vorfreude Kaffee oder Tee? Wir kommen um halb sieben noch verschlafen zum Frühstück, während der Hüttenwirt Brot, Wurst und Käse herrichtet. Doch das Frühstück tut gut, denn heute geht es noch einmal richtig zur Sache: Über das Hochebenkar folgen wir einer glasigen Spur in Richtung Eiskögele, über dessen luftig ausgesetzten Grat wir mit Steigeisen und am Seil Schritt für Schritt zum Gipfel gelangen. Um dann in der Abfahrt eine nette Überraschung zu erleben: Im perfekten Pulverschnee schwingen wir hinab, ziehen dann im weichen Frühlingsschnee noch ein paar Kurven und erreichen das Dorf Obergurgl – traumhaft! Noch einmal bestellen wir Johannisbeerschorlen und Bier, stossen an auf unsere Woche, auf die stillen Aufstiege, die Gipfelausblicke, die Schwünge in Pulver und Sulz. Und freuen uns dabei auf die zweite Etappe der TransalpOst!

Text: André, Bernd, Martina, Roberto | Fotos: Roman Hinder | Redaktion: Caroline Fink