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bergpunkt Blog

DURCH DIE GRAJISCHEN ALPEN

transalpSüd 4. Etappe

Die vierte Etappe der TransalpSüd führt durch Täler mit wohlklingenden Namen in den Grajischen Alpen: Vom Valle di Viù ins Val d’Ala, weiter ins Valle Orco und durch den Nationalpark des Gran Paradiso nach Rhêmes. Pulverschnee und feines italienisches Essen inklusive!

Tag 1: Prossima fermata Torino Porta Susa. Unsere Transalp-Etappe beginnt mitten in Turin, von wo es per Rufbus ins Dorf Usseglio im einsamen Valle di Viù geht, dem südlichsten der Lanzo-Täler. Herzliche Begrüssung, Capuccini und ein erstes piemontesisches Nachtessen – wir haben einander viel zu erzählen: vor allem von vergangenen Etappen und weiteren Plänen.

Tag 2: Frühmorgens regnet es. Caffè Latte oder Tè – wir nehmen uns Zeit. Danach statten wir dem nahen Skigebiet einen Besuch ab, und steigen bei dichtem Nebel und guter Laune auf einen nahen Gipfel. Lohnend dabei: Von lokalen Skitourengängern erhalten wir wertvolle Hinweise für die nächste Etappe.

Tag 3: Heute starten wir die eigentliche Transalp – mit einer abenteuerlichen Autofahrt über eine steile Bergstrasse per Jeep. «Grazie mille!» an den Fahrer! Mit aufgebundenen Ski geht es über gelblich-gräuliche Alpwiesen eine Stunde lang der Schneegrenze entgegen, dann auf Ski durch sanftes Gelände, die Po-Ebene im Rücken, bergwärts bis zum Passo Paschiet, dem Übergang ins Valle Ala. Bergführer Daniel Silbernagel hat die Strecke angepasst – hier sehen wir warum: Viel Pulverschnee und gewaltige Lawinenkegel erwarten uns. Mit viel Geschick führt uns Daniel über steile Hänge und findet immer wieder schönen Schnee. Im Lärchenwald dann rauschen schon die Bäche. Noch eine Fahrstrasse und wir stehen ganz überrascht vor Balme, dem heutigen Etappenziel. Auch die Wirte unseres Gasthauses sind überrascht: Wir sind die erste Skitourengruppe, die aus dem Valle di Viù hier ankommt! Abends folgt das zweite Highlight: Den Secondo können wir wählen – «Hauszicklein, Esel oder Kaninchen.» Und die Dolci sind alle selbstgemacht – auch der wunderbare Marronikuchen. Was will man mehr?

Tag 4: Aufgrund des vielen Neuschnees auf über 2000m hat Daniel eine Spontantour geplant: eine Tagestour mit leichtem Rucksack zur Cima Autour. Diese raubt uns den Atem. Nicht, weil sie so anstrengend ist, nein, des Ausblicks wegen: Gipfel an Gipfel reihen sich vor uns aneinander bis fast in die Unendlichkeit. Unter anderem der Gran Paradiso im Norden und der Monviso im Süden! Und runter gibt’s Pulverhänge, dass es eine Freude ist!

Tag 5: Es ist der dritte strahlend blaue Tag. Wir ziehen unsere Spuren durch das weite Gelände immer in Richtung der Punta Violetta, unserem prominenten Gipfelziel; mitten in der Arena des Gran Paradiso Nationalparks, wo wir Gämsen und Steinböcke entdecken. Nach dem Skidepot geht es wie durch Butter aufwärts. Wir benötigen nicht einmal Steigeisen, um den steilen Gipfel zu erreichen. Dementsprechend kurven wir durch schweren Schnee talwärts und beschliessen den Tag im Rifugio Chivasso, wo Hüttenwart Alessandro seit 30 Jahren regiert. Am Abend erklärt er uns seine Werte: «Respekt vor Mensch und Tier, Arme und Reiche, Saubere und Schmutzige haben Platz an seinem Tisch. Und: Weniger ist mehr, gerade punkto Umgang mit der Natur.» Zudem verrät er uns ein Geheimnis: Er sieht der Nasenspitze an, ob ein Mensch schnarcht – wie praktisch!

Tag 6: Arrivederci Alessandro e grazie! Unsere letzte Etappe führt uns steil hinauf zur Anticima Punta Basei an der Grenze zu Frankreich. Auf dem Gipfel weht ein frischer Wind und die Wolken hängen tief. Wir blicken ein letztes Mal zurück ins Valle Orco und schwingen dann hinab ins lange, lange Val di Rhêmes. Angekommmen in Rhêmes-Notre-Dame, schauen wir zurück und staunen, wie weit wir gekommen sind. Es ist unser letzter Abend und wir verbringen ihn in einem guten Restaurant – wo wir bald Teil einer Geburtstagsparty sind!

Tag 7: Heute verabschieden wir uns von der schön einsamen Region. Steigen in den Ortsbus nach Aosta. Packen dort noch ein paar Formaggi, Antipasti, Génépi und viele kleine und grosse Erinnerungen in die Rucksäcke. Dabei denken wir uns: Es wird weitergehen – die Alpenwelt ist noch gross. Wir freuen uns auf die nächste und letzte Etappe der TransalpSüd!

Text: Roberto Moro, Susanne Härri | Bilder: Daniel Silbernagel