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bergpunkt Blog

DAS ZILLERTAL LIEGT IN ITALIEN

transalpSüd

Die Skitourer Roberto Moro und Bernd Lüders sind seit Beginn des Projekts TransalpSki im Jahr 2014 auf der grossen Alpendurchquerung mit dabei. Dieses Jahr wollten Sie ins Zillertal fahren und endeten: beim Gran Paradiso. Warum dies völlig in Ordnung war und weshalb ihr Fernziel weiterhin Wien heisst, erzählen sie im Interview.

Bernd und Roberto, ihr wolltet diesen Frühling auf die TransalpOst ins Zillertal. Doch es kam anders.
Roberto: Genau, wir machten die Zillertal-Etappe im italienischen Gran-Paradiso-Gebiet.

Das klingt geografisch abenteuerlich. Wie kam es dazu?
Roberto: Einige unserer Gruppe machten sich schon früh Sorgen, weil wir im Zillertal dreimal nacheinander in Selbstversorgerhütten übernachtet hätten. Was eine Tourenwoche ja anstrengender macht. Doch dann erledigte sich dieses Problem von alleine, weil schlechtes Wetter angesagt war…
Bernd: … und in den tiefen Lagen des Zillertals viel zu wenig Schnee lag.
Roberto: So schlug bergpunkt vor, stattdessen im Süden den Gran Paradiso zu umrunden. Was ich mir nicht zweimal überlegen musste: Diese Runde um den höchsten italienischen Binnengipfel wollte ich seit langem unternehmen.
Bernd: Und ich vertraute einfach darauf, dass uns eine gute Alternative geboten würde. So war es!

Ihr habt dem Zillertal nicht nachgetrauert.
Roberto: Wir haben das Zillertal ziemlich schnell vergessen.

Weshalb?
Roberto: Unsere Etappe rund um den Gran Paradiso wurde rasch sehr eindrücklich. Nicht nur landschaftlich. Sie war auch technisch anspruchsvoll, wir nutzten öfter Steigeisen, mussten die Ski aufbinden. Und dann brach noch polare Kaltluft herein. Wir waren beschäftigt.
Bernd: Dazu übernachteten wir in unglaublich sympathischen Hütten. Mit netter Bewartung und feinem Essen. Das hat mir sehr gut gefallen.

Aber im Grunde ginge die Transalp ja schon von A nach B. War dann der Weg auf einmal wichtiger als das Ziel?
Bernd: Ich finde es einfach genial, mehrere Tage am Stück in interessanten Gebieten der Alpen von Hütte zu Hütte zu ziehen. Ob ich diese Etappen genau in der richtigen Reihenfolge aneinanderhänge oder nicht – das ist mir nicht so wichtig.
Roberto: Ich finde es auch spannend, dass man vom ursprünglichen Programm abweicht und auch abweichen darf. Dass man agil bleibt aufgrund der Bedingungen.

Was sind eure nächsten Transalp-Pläne?
Bernd: Der Osten hat mir sehr gut gefallen. Ich war begeistert, wie wenig Leute in den Gebieten unterwegs sind und wie toll die Hütten sind. Wenn nun in der vierten Zillertal-Etappe der Wurm drinsteckt, lasse ich sie einfach aus. Dann mache ich beim Grossvenediger weiter, wo es wieder höhere Berge und mehr Schnee gibt.
Roberto: Ich werde nächsten Winter auf der letzten TransalpSüd bis zur Schweizer Grenze mit dabei sein. Und im Osten ist es, wie Bernd sagt: Ob Zillertal oder Grossvenediger, da bleiben wir flexibel.

Doch das grosse Ziel bleibt Wien.
Roberto: Klar, Wien ist unser Fernziel! Wir können uns zwar nur schwer vorstellen, wie die letzte Etappe aussehen wird.
Bernd: Also wenn ich mir die Geografie im Osten anschaue, so werden wir kaum auf Tourenski nach Wien ziehen.
(beide lachen)

Das Ziel ist das Flachland.
Bernd: Genau, das Ziel ist das Flachland.
Roberto: Und den Schluss machen wir dann im Sommer mit dem Velo.

Bernd Lüders war bisher auf vier Transalp-Etappen dabei; im Osten im Ötztal und Stubai, in der Schweiz auf der klassischen Haute Route und dieses Jahr im Gran-Paradiso-Gebiet anstatt im Zillertal.
Roberto Moro war bisher auf fünf Transalp-Etappen unterwegs; im Osten im Ötztal und Stubai, in der Schweiz auf der klassischen Haute Route und dieses Jahr im Süden in den Grajischen Alpen sowie anstatt im Zillertal im Gran-Paradiso-Gebiet.

Interview: Caroline Fink | Fotos: Roberto Moro