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bergpunkt Blog

Wir fassen unsere Erlebnisse und Erfahrungen am Berg regelmässig in Geschichten zusammen und präsentieren diese in unserem Berg-Blog. Ursprünglich als Blog für unsere Skitourendurchquerung der Alpen gedacht, soll es nun auch einen Berg-Blog geben, in welchem wir weiterführende Themen aufgreifen – mit unserem Berg-Blog möchten wir unsere Gäste erfreuen, überraschen und ihnen Interessantes bieten.

«Es braucht wenig, um auf dem Gletscher zu staunen»

Bergführer Reto Affentranger zum neuen «Erlebnis Eiszeit»


Ab diesem Sommer bietet bergpunkt unter dem Titel «Erlebnis Eiszeit» Gletscherwanderungen auf dem Aletschgletscher, dem Rhonegletscher und dem Gornergletscher an, bei denen die BergführerInnen Infos und Hintergründe zum jeweiligen Gletscher vermitteln. Reto Affentranger, Geograf und Bergführer bei bergpunkt, hat die Infos zusammengestellt. Hier erzählt er uns, was die Gäste erwartet. Und was ihm persönlich in Sachen Gletscher am Herzen liegt.

RETO AFFENTRANGER, ERINNERST DU DICH AN DEN MOMENT, ALS DU ERSTMALS EINEN GLETSCHER GESEHEN HAST?
Ja, ich war um die sechs Jahre alt und wanderte mit meiner Familie und Freunden der Familie auf die Grosse Scheidegg oberhalb von Grindelwald. Dort sah ich den Oberen Grindelwaldgletscher, dessen weisse Zunge bis in den Wald hinab reichte. An dieses Bild erinnere ich mich bis heute sehr klar.

MITTLERWEILE REICHT DER OBERE GRINDELWALDGLETSCHER LÄNGST NICHT MEHR IN DEN WALD HINAB. DESHALB DIE ALLGEMEINE FRAGE: WAS LÖST DER GEDANKE BEI DIR AUS, DASS UNSERE GLETSCHER VERSCHWINDEN?
Dieser Gedanke löst verschiedene Emotionen aus. Persönlich versuche ich, meinen CO2-Fussabdruck auf der Erde zu reduzieren. Gleichzeitig weiss ich aber, dass ich dennoch einen Abdruck hinterlasse, und sehe darüber hinaus, wie wenig sich insgesamt weltweit zum Besseren ändert. Diese ganze Situation stimmt mich traurig.

IN ANDEREN WORTEN: DU GLAUBST NICHT AN DIE ZUKUNFT DER GLETSCHER.
Ich gehe davon aus, dass ich im hohen Alter – jetzt gehe ich gegen die fünfzig – erleben werde, dass es aufgrund des Gletscherschwundes zu drastischen Veränderungen im Alpenraum kommen wird.

ZUM BEISPIEL?
Heute sind die Südhänge im Rhonetal als semi-aride Gebiete nur grün dank den Suonen, die von Gletscherwassern gespiesen werden. Mit den Prognosen, die wir heute haben, werden die Suonen jedoch in ein bis zwei Generationen kein Gletscherwasser mehr führen. Diese Hänge werden damit extrem trocken werden und künftig eine kompltt andere, wahrscheinlich eher spärliche, Vegetation aufweisen. Dies ist nur ein Beispiel, wie sich der Alpenraum verändert wird.

WIR SOLLTEN UNS DIE GLETSCHER ALSO ANSCHAUEN, SOLANGE ES SIE NOCH GIBT.
Ja. Darauf zielt das «Erlebnis Eiszeit» von bergpunkt ab. Wir wollen uns an den Gletschern freuen, unseren Gästen die Schönheit dieser Eisströme vermitteln und davon erzählen, was sie sind, wie sie entstehen und vergehen, und warum es sie bis anhin überhaupt gibt.

DU HAST ALS GEOGRAF UND BERGFÜHRER DIE INFOS ZUSAMMENGESTELLT, WELCHE DIE BERGFÜHRER VON BERGPUNKT DEN GÄSTEN VERMITTELN WERDEN. WORAUF HAST DU DABEI WERT GELEGT?
Viele Gäste haben bereits ein recht gutes Halbwissen, teils auch Wissen, zu den Gletschern. Mir ging es deshalb in erster Linie darum, Dinge wie etwa die Entstehung einer Mittelmoräne oder die Bildung eines Gletscherrandsees auf gut verständliche Weise genauer zu erklären. Damit unsere Bergführer diese Phänomene mit den Gästen direkt im Gelände anschauen können.

GENAUES HINSCHAUEN ANSTELLE EINER AKADEMISCHEN VORLESUNG.
Genau. Wir werden unterwegs jeweils kurz anhalten und darüber sprechen, was wir gerade sehen. Eine Spaltenzone, einen Gletscherfloh oder eben eine Mittelmoräne. Oft braucht es wenig, um auf einem Gletscher zu staunen. Und abends erzählt der Bergführer jeweils eine Gutenachtgeschichte aus der Welt des Eises.

DAS KLINGT ENTSPANNT. HÖRE ICH RICHTIG, DASS SICH DIESES ANGEBOT AUCH AN WANDERER RICHTET, DIE SONST NICHT IM HOCHGEBIRGE UNTERWEGS SIND?
Ja, diese Touren eignen sich grundsätzlich für alle, die sich für Gletscher interessieren. Egal, ob sie sonst bergsteigen gehen oder eher in tieferen Gefielden unterwegs sind.

KANNST DU NOCH ETWAS MEHR AUS DEM NÄHKÄSTCHEN PLAUDERN, WAS GENAU DIE GÄSTE ERFAHREN WERDEN?
Verraten kann ich, dass unsere Gäste nach der Tour – nebst dem oben Erwähnten – wissen werden, warum und wie ein Gletscher fliesst, wie sein Eis entsteht und wie er vor mehreren Jahrzehnten aussah. Und wir werden hoffentlich Bekanntschaft mit Gletscherflöhen machen und wissen, welche Sagengestalten auf dem Gletscher unterwegs sind, während wir gemütlich in der Hütte schlafen...

GROSSER ALETSCHGLETSCHER, GORNERGLETSCHER, RHONEGLETSCHER – WARUM GENAU DIESE AUSWAHL?
Alle drei dieser Gletscher bieten grosse Themen: Der Aletschgletscher ist der längste Gletscher der Alpen; der Gornergletscher ist der zweitgrösste Gletscher der Alpen mit einer der am höchsten gelegenen Nährzonen im Alpenraum; und der Rohnegletscher bildet zusammen mit dem Triftgletscher die Wasserscheide zwischen Aare und Rhone, sprich zwischen Nordsee und Mittelmeer. Sie gehören damit thematisch zu den «Big three» in den Alpen.

ZUM SCHLUSS NOCH EINE PERSÖNLICHE FRAGE: DER SCHÖNSTE GLETSCHER DER SCHWEIZ IST FÜR DICH..?
Puh, diese Frage ist schwierig zu beantworten. Aber was mich immer wieder beeindruckt, ist der Blick auf das obere Eismeer vom Fenster der Jungfraubahn aus!


Interview: Caroline Fink

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Das Glück der Tüchtigen

Oder: Auf der «Berner Haute Route West» anstatt im Aostatal


Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. So auch auf der TransalpSüd von Aosta nach Chamonix. Aufgrund des Wetters wechselten wir in die Westlichen Berner Alpen. Nachdem wir dort den Sanetschpass dank «Windprogramm» erreicht und den Föhnsturm am Arpelistock überstanden haben, erhalten wir zur Belohnung Sonne, Sulz und ein Berner «Vallée Blanche».

Nachdem uns die Südstaulage mit sieben Tagen Schneefall aus dem Aostatal vertrieben hat, machen wir uns am dritten Tourentag auf zur Cabane de Prarochet am Fuss der Diablerets. Das Ziel: In den folgenden Tagen anstatt der Grajischen Alpen der TransalpSüd die Westlichen Berner Alpen zu durchqueren. Denn in diesem Gebiet, so verspricht es der Wetterbericht, sollte uns die Sonne vom Himmel entgegenstrahlen.

Was sie auch tut. Allerdings in Begleitung von ziemlich viel Föhn. Und so erwartet uns die nächste Üerraschung: Die Seilbahnen von «Glacier 3000» bleiben wegen Sturmwind geschlossen und wir stecken erneut fest. Diesmal auf dem Col du Pillon.

Doch es sollte eine Woche der Begegnungen werden und nach Mustafa und Fabrizio (siehe Eintrag «Aus dem Paradies vertrieben») rettet der Betreiber der kleinen Seilbahn von Gsteig zum Sanetschpass diesen Tag. Am Telefon macht er uns Mut: Wenn wir «em e chli gäh» und in einer Stunde bei ihm seien, würde er uns hochfahren lassen. Trotz Föhn. Denn «mit em Windprogramm» sei das gar kein Problem. «Kriminös wird's de ersch abemne Sächzger». – Die Seilbahn übersteht es. Wir auch. Und als wir drei Stunden später an ein Fenster der tief verschneiten Cabane de Prarochet klopfen, schaut uns die Hüttenwartin erstaunt an: Wie wir bei geschlossener «Glacier3000» hierher gekommen seien? Wir zucken mit den Schultern. «Mit dem Windprogramm halt!»

Am nächsten Tag schwingen wir im Kaltblau des ersten Tageslichts über die Kuppen und Mulden der weiten Fläche der Lapis de Tsanfleuron zum Sanetschpass. Überqueren diesen und steigen über die langen Katzenbuckel der Arête de l'Arpille Richtung Arpelistock auf. Bis irgendeiner im Himmel den Schalter umlegt: Nach dem zweiten Katzenbuckel fegt uns auf einen Schlag ein Sturmwind entgegen. So heftig, als wollte er uns innert Sekunden vertreiben. Wir ducken uns, ziehen die Buffs über die Wangen, stemmen uns gegen die Böen, gehen weiter, Schritt für Schritt. «Was für eine Kraft! Was für eine Wucht!», denke ich mir. Erst als wir den Aufstieg zum Arpelistock verlassen und in die weissen Wellen des Hochtals am Fuss des Gältehore abfahren, lässt uns der Föhn wieder in Ruhe.

Was danach kommt, ist das Glück der Tüchtigen: vier Tage, während denen wir zu winzigen Punkten in Weiten aus Schnee werden, über Pässe ziehen, auf Gipfel steigen, anfellen, abfellen, Gipfelküsse verteilen, an der Sonne sitzen, durch Sulz schwingen und in warmen Holzstuben die Stunden verplaudern. Gältelücke, Geltenhütte, Wildhorn, Wildhornhütte, Schnidehore, Rohrbachstein, Wildstrubelhütte, Glacier de la Plaine Morte und Wildstrubel heissen unsere Stationen. Und wenngleich wir unsere Route im Süden verlassen haben, so ist der Geist der Transalp doch da. Für vier Tage werden wir zu Nomaden auf Tourenski, schultern morgens die Rucksäcke, versinken tagsüber in der Monotonie Tausender von Schritten, als wären wir für nichts anderes gemacht als das: weiter zu ziehen, dem Osten entgegen, weiter und immer weiter.

Auch dass wir am Ende der Woche ins Simmental anstatt nach Chamonix schwingen, nehmen wir gelassen. Denn sind wir mal ehrlich: Im Grunde ist das Ammertentäli doch fast cooler als das Vallée Blanche!

Bild & Text: Caroline Fink, www.caroline-fink.ch

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Aus dem Paradies vertrieben

Die letzte Etappe der TransalpSüd versinkt im Schnee


Für die letzte Etappe der TransalpSüd, vom Aostatal nach Chamonix, liess der Wetterbericht nichts Gutes ahnen. Und er hielt, was er versprach: Schnee ohne Ende. Dennoch fanden wir im Val di Rhêmes mehr als einen Lichtblick.

Als wir im Refuge de Fond, zuhinterst im Val di Rhêmes, ankommen, scheint die Sonne. Nicht draussen, aber in der Stube. Denn dort begrüsst uns Mustafa mit einem strahlenden Lachen und einem «bienvenue, les amis de la montagne!». Mustafa ist aus der marokkanischen Stadt Rabat und arbeitet seit 11 Jahren im Aostatal.

Ob es in Rabat Berge gebe, wollen wir von ihm wissen. Er lacht. «Non! Dort gibt es Strände!» Ein Schock seien der erste Schnee und ein Tag mit -27 Grad Celsius im Refuge de Fond gewesen. «Aber jetzt ist Mustafa auf alles vorbereitet», sagt er von sich selbst. Deutet auf die Zipfelmütze, die er trägt, und die Daunenjacke, die in der Küche an der Wand hängt. Daneben baumeln eine Skibrille und eine Schwimmbrille an einem Holzgestell. «Die brauche ich im Schneetreiben.»

Recht hat Mustafa, denke ich mir, als ich aus dem Fenster blicke. Draussen treibt der Wind den Schnee um die Hütte, während Vorhänge aus Flocken die Gipfel des Val di Rhêmes verhüllen. Und so machen wir es uns in der Holzstube gemütlich, die sich bald mit dem Duft von Minestrone, Polenta und orientalischer Herzenswärme füllt. Bloss eines kann Mustafa nicht ändern: den Wetterbericht für die kommenden Tage, der wie eine Schlechtwetterphase im Hochwinter ausschaut.

Am zweiten Tag steigen wir denn auch in einer Waschmaschine aus Schnee und Wind dem Colle Bassac Derè entgegen. Bis es keinen Sinn mehr macht: Wir kehren um und fahren – oder besser: spuren im knietiefen Neuschnee – wieder talauswärts. Wobei ein Zauber am Werk gewesen sein muss: Das Val di Rhêmes ist über Nacht mindestens doppelt so lang geworden!

Drei Stunden dauert es, bis wir wieder auf Feld eins sind. Im Dorf Rhêmes-Notre-Dame, wo wir am Vortag bei Schneeregen losmarschiert sind. Unser Glück: In diesem Dorf steht auch das Hotel «Chez Lidia». Und Lidias Sohn Fabrizio tischt uns abends im weissen Kochkittel Risotto, Hirschgulasch, im Rotwein geschmortes Rindfleisch und Polenta auf, gefolgt von einer Auswahl an Desserts, die selbst diesen Tag rettet (siehe Beweisvideo unten).

Nur eines stimmt immer noch nicht: der Wetterbericht für den Süden. Die angesagte Südstaulage vertreibt uns aus dem Paradies. Wir packen die sieben Sachen, steigen am nächsten morgen früh wieder ins Taxi und fahren nordwärts. Dorthin, wo der Himmel blau ist, die Berge genauso schön und der Wind... doch das ist eine andere Geschichte. Lesen Sie mehr dazu im nächsten Blog.

Bild, Text & Video: Caroline Fink, www.caroline-fink.ch

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DAS ZILLERTAL LIEGT IN ITALIEN

transalpSüd

Die Skitourer Roberto Moro und Bernd Lüders sind seit Beginn des Projekts TransalpSki im Jahr 2014 auf der grossen Alpendurchquerung mit dabei. Dieses Jahr wollten Sie ins Zillertal fahren und endeten: beim Gran Paradiso. Warum dies völlig in Ordnung war und weshalb ihr Fernziel weiterhin Wien heisst, erzählen sie im Interview.

Bernd und Roberto, ihr wolltet diesen Frühling auf die TransalpOst ins Zillertal. Doch es kam anders.
Roberto: Genau, wir machten die Zillertal-Etappe im italienischen Gran-Paradiso-Gebiet.

Das klingt geografisch abenteuerlich. Wie kam es dazu?
Roberto: Einige unserer Gruppe machten sich schon früh Sorgen, weil wir im Zillertal dreimal nacheinander in Selbstversorgerhütten übernachtet hätten. Was eine Tourenwoche ja anstrengender macht. Doch dann erledigte sich dieses Problem von alleine, weil schlechtes Wetter angesagt war…
Bernd: … und in den tiefen Lagen des Zillertals viel zu wenig Schnee lag.
Roberto: So schlug bergpunkt vor, stattdessen im Süden den Gran Paradiso zu umrunden. Was ich mir nicht zweimal überlegen musste: Diese Runde um den höchsten italienischen Binnengipfel wollte ich seit langem unternehmen.
Bernd: Und ich vertraute einfach darauf, dass uns eine gute Alternative geboten würde. So war es!

Ihr habt dem Zillertal nicht nachgetrauert.
Roberto: Wir haben das Zillertal ziemlich schnell vergessen.

Weshalb?
Roberto: Unsere Etappe rund um den Gran Paradiso wurde rasch sehr eindrücklich. Nicht nur landschaftlich. Sie war auch technisch anspruchsvoll, wir nutzten öfter Steigeisen, mussten die Ski aufbinden. Und dann brach noch polare Kaltluft herein. Wir waren beschäftigt.
Bernd: Dazu übernachteten wir in unglaublich sympathischen Hütten. Mit netter Bewartung und feinem Essen. Das hat mir sehr gut gefallen.

Aber im Grunde ginge die Transalp ja schon von A nach B. War dann der Weg auf einmal wichtiger als das Ziel?
Bernd: Ich finde es einfach genial, mehrere Tage am Stück in interessanten Gebieten der Alpen von Hütte zu Hütte zu ziehen. Ob ich diese Etappen genau in der richtigen Reihenfolge aneinanderhänge oder nicht – das ist mir nicht so wichtig.
Roberto: Ich finde es auch spannend, dass man vom ursprünglichen Programm abweicht und auch abweichen darf. Dass man agil bleibt aufgrund der Bedingungen.

Was sind eure nächsten Transalp-Pläne?
Bernd: Der Osten hat mir sehr gut gefallen. Ich war begeistert, wie wenig Leute in den Gebieten unterwegs sind und wie toll die Hütten sind. Wenn nun in der vierten Zillertal-Etappe der Wurm drinsteckt, lasse ich sie einfach aus. Dann mache ich beim Grossvenediger weiter, wo es wieder höhere Berge und mehr Schnee gibt.
Roberto: Ich werde nächsten Winter auf der letzten TransalpSüd bis zur Schweizer Grenze mit dabei sein. Und im Osten ist es, wie Bernd sagt: Ob Zillertal oder Grossvenediger, da bleiben wir flexibel.

Doch das grosse Ziel bleibt Wien.
Roberto: Klar, Wien ist unser Fernziel! Wir können uns zwar nur schwer vorstellen, wie die letzte Etappe aussehen wird.
Bernd: Also wenn ich mir die Geografie im Osten anschaue, so werden wir kaum auf Tourenski nach Wien ziehen.
(beide lachen)

Das Ziel ist das Flachland.
Bernd: Genau, das Ziel ist das Flachland.
Roberto: Und den Schluss machen wir dann im Sommer mit dem Velo.

Bernd Lüders war bisher auf vier Transalp-Etappen dabei; im Osten im Ötztal und Stubai, in der Schweiz auf der klassischen Haute Route und dieses Jahr im Gran-Paradiso-Gebiet anstatt im Zillertal.
Roberto Moro war bisher auf fünf Transalp-Etappen unterwegs; im Osten im Ötztal und Stubai, in der Schweiz auf der klassischen Haute Route und dieses Jahr im Süden in den Grajischen Alpen sowie anstatt im Zillertal im Gran-Paradiso-Gebiet.

Interview: Caroline Fink | Fotos: Roberto Moro

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DURCH DIE GRAJISCHEN ALPEN

transalpSüd 4. Etappe

Die vierte Etappe der TransalpSüd führt durch Täler mit wohlklingenden Namen in den Grajischen Alpen: Vom Valle di Viù ins Val d’Ala, weiter ins Valle Orco und durch den Nationalpark des Gran Paradiso nach Rhêmes. Pulverschnee und feines italienisches Essen inklusive!

Tag 1: Prossima fermata Torino Porta Susa. Unsere Transalp-Etappe beginnt mitten in Turin, von wo es per Rufbus ins Dorf Usseglio im einsamen Valle di Viù geht, dem südlichsten der Lanzo-Täler. Herzliche Begrüssung, Capuccini und ein erstes piemontesisches Nachtessen – wir haben einander viel zu erzählen: vor allem von vergangenen Etappen und weiteren Plänen.

Tag 2: Frühmorgens regnet es. Caffè Latte oder Tè – wir nehmen uns Zeit. Danach statten wir dem nahen Skigebiet einen Besuch ab, und steigen bei dichtem Nebel und guter Laune auf einen nahen Gipfel. Lohnend dabei: Von lokalen Skitourengängern erhalten wir wertvolle Hinweise für die nächste Etappe.

Tag 3: Heute starten wir die eigentliche Transalp – mit einer abenteuerlichen Autofahrt über eine steile Bergstrasse per Jeep. «Grazie mille!» an den Fahrer! Mit aufgebundenen Ski geht es über gelblich-gräuliche Alpwiesen eine Stunde lang der Schneegrenze entgegen, dann auf Ski durch sanftes Gelände, die Po-Ebene im Rücken, bergwärts bis zum Passo Paschiet, dem Übergang ins Valle Ala. Bergführer Daniel Silbernagel hat die Strecke angepasst – hier sehen wir warum: Viel Pulverschnee und gewaltige Lawinenkegel erwarten uns. Mit viel Geschick führt uns Daniel über steile Hänge und findet immer wieder schönen Schnee. Im Lärchenwald dann rauschen schon die Bäche. Noch eine Fahrstrasse und wir stehen ganz überrascht vor Balme, dem heutigen Etappenziel. Auch die Wirte unseres Gasthauses sind überrascht: Wir sind die erste Skitourengruppe, die aus dem Valle di Viù hier ankommt! Abends folgt das zweite Highlight: Den Secondo können wir wählen – «Hauszicklein, Esel oder Kaninchen.» Und die Dolci sind alle selbstgemacht – auch der wunderbare Marronikuchen. Was will man mehr?

Tag 4: Aufgrund des vielen Neuschnees auf über 2000m hat Daniel eine Spontantour geplant: eine Tagestour mit leichtem Rucksack zur Cima Autour. Diese raubt uns den Atem. Nicht, weil sie so anstrengend ist, nein, des Ausblicks wegen: Gipfel an Gipfel reihen sich vor uns aneinander bis fast in die Unendlichkeit. Unter anderem der Gran Paradiso im Norden und der Monviso im Süden! Und runter gibt’s Pulverhänge, dass es eine Freude ist!

Tag 5: Es ist der dritte strahlend blaue Tag. Wir ziehen unsere Spuren durch das weite Gelände immer in Richtung der Punta Violetta, unserem prominenten Gipfelziel; mitten in der Arena des Gran Paradiso Nationalparks, wo wir Gämsen und Steinböcke entdecken. Nach dem Skidepot geht es wie durch Butter aufwärts. Wir benötigen nicht einmal Steigeisen, um den steilen Gipfel zu erreichen. Dementsprechend kurven wir durch schweren Schnee talwärts und beschliessen den Tag im Rifugio Chivasso, wo Hüttenwart Alessandro seit 30 Jahren regiert. Am Abend erklärt er uns seine Werte: «Respekt vor Mensch und Tier, Arme und Reiche, Saubere und Schmutzige haben Platz an seinem Tisch. Und: Weniger ist mehr, gerade punkto Umgang mit der Natur.» Zudem verrät er uns ein Geheimnis: Er sieht der Nasenspitze an, ob ein Mensch schnarcht – wie praktisch!

Tag 6: Arrivederci Alessandro e grazie! Unsere letzte Etappe führt uns steil hinauf zur Anticima Punta Basei an der Grenze zu Frankreich. Auf dem Gipfel weht ein frischer Wind und die Wolken hängen tief. Wir blicken ein letztes Mal zurück ins Valle Orco und schwingen dann hinab ins lange, lange Val di Rhêmes. Angekommmen in Rhêmes-Notre-Dame, schauen wir zurück und staunen, wie weit wir gekommen sind. Es ist unser letzter Abend und wir verbringen ihn in einem guten Restaurant – wo wir bald Teil einer Geburtstagsparty sind!

Tag 7: Heute verabschieden wir uns von der schön einsamen Region. Steigen in den Ortsbus nach Aosta. Packen dort noch ein paar Formaggi, Antipasti, Génépi und viele kleine und grosse Erinnerungen in die Rucksäcke. Dabei denken wir uns: Es wird weitergehen – die Alpenwelt ist noch gross. Wir freuen uns auf die nächste und letzte Etappe der TransalpSüd!

Text: Roberto Moro, Susanne Härri | Bilder: Daniel Silbernagel

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MAGIC MOMENTS

TransalpSchweiz

Seit ihrer ersten gemeinsamen Etappe vor zwei Jahren ist diese Gruppe ein verschworenes Team. Einmal mehr haben sie dieses Jahr auf der transalpSchweiz das gefunden, was alle in den Bergen suchen: Abenteuer und magische Momente. Weshalb das so ist, skizziert Thomas Theurillat, Bergführer der Gruppe und Coach, in einem kurzen Text.

Auf der ersten gemeinsamen Etappe dieser Gruppe, vor zwei Jahren, war es zu einem Unfall gekommen. Doch nun geht es der verunfallten Person wieder gut und die gesamte Gruppe vereinte sich erneut, um eine weitere Strecke der transalpSchweiz zu unternehmen.  

Die Transalp ist ihr gemeinsames Projekt, ihr gemeinsames Ziel. Und dies ist der beste Fall für ein gutes Bergerlebnis: zusammenzuarbeiten, gemeinsam Erfolg zu haben und damit die anderen in ihrer Stärke zu erleben. Dadurch entsteht das, was wir «Spirit» nennen.

  In dieser Gruppe hat sich dieser «Spirit» mit jedem Jahr verstärkt. Weshalb? – Dazu hole ich rasch aus: In unserem Leben versuchen wir oft die Kontrolle zu behalten. Diese Gruppe aber hat sich getraut, einen Teil der Kontrolle abzugeben. Einen Graubereich zu suchen, in dem nicht mehr alles geplant ist. Sprich, diese Leute haben nicht bloss eine Bergtour gemacht, sondern die Bergtour etwas mit ihnen machen lassen. Das ist es, was Abenteuer möglich und Bergtouren bereichernd macht. Und dann entstehen auch die Magic Moments.  

Text: Thomas Theurillat; aufgezeichnet von Caroline Fink | Foto: Tinu Kunz 

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COTTISCHE BILDERGESCHICHTEN

TransalpSüd

Die dritte Etappe der Transalp im Süden bot Eindrücke aus einsamen Tälern und charmanten Dörfern. Hier eine Bildergeschichte zwischen Valle Po und Val di Susa. Wir wünschen viel Freude beim Klicken und Schauen, Lesen und Entdecken! – P.S. Eine Reportage zur selben Etappe finden Sie im vorangehenden Post.

Fotos: Caroline Fink  

DURCHS WILDE OKZITANIEN

TransalpSüd 3. Etappe

Die dritte Etappe im Süden der Transalp führte durch den nördlichen Teil der Cottischen Alpen. Ein weitgehend unbekanntes Gebiet, in dem wir einsamste Täler und Dörfer entdeckten sowie eine Aussicht, wie sie sonst nur Engel kennen.

Die Po-Ebene breitet sich flach wie ein Blech um uns aus. Im Taxi fahren wir in der Frühlingssonne an Kiwiplantagen und Pfirsichbäumen vorbei, dahinter: die Alpen. Was wir mit den Ski dort machen wollten, fragt uns die Taxifahrerin. «Etwa die Berge hochlaufen?» Sie schüttelt den Kopf und lacht. In die Berge fahre sie höchstens, um sich in einem Liegestuhl zu bräunen.

SEINE MAJESTÄT DER MONVISO
An diesem ersten Tag steigen wir durch Lärchenwälder und über offene Hänge bergwärts, gehen an alten Maiensässen vorbei und blicken immer wieder zu diesem Gipfel: dem Monviso. Als perfekte Pyramide ragt er hinter uns auf. Ein Matterhorn, ein Ama Dablam, der mit seinen 3841 Metern Höhe die Majestät der Cottischen Alpen ist.
Nur einmal an diesem Vormittag kehren wir diesem Gipfel den Rücken zu: als wir auf der Kuppe namens Briccas o Trucchet stehen und auf die Po-Ebene hinausblicken. Es ist, als sähen wir den gesamten Alpenbogen. Den Monte Rosa in der Ferne, den Grand Combin und die Tessiner Alpen, die Seealpen von Nizza und selbst den Appenin. So müssen Engel die Alpen sehen, denke ich mir.

IM ALPINEN «OCCITÀNIA»
So ziehen wir immer weiter. Steigen auf Gipfel, überqueren Pässe, passieren Berge, klein und wild, zackig und steil, und entdecken jeden Tag eine neue Welt. Mal das italienische Val Pellice mit seinen Städtchen, Plätzen und Cafés. Mal das Rifugio Willy Jarvis, dessen warme Stube wir nach einem langen Tag im Schein der Stirnlampen unter einem Sternenhimmel erreichen. Ein anderes Mal ziehen wir die Ski im Dorf Le Roux im französischen Queyras aus, wo wir den Nachmittag bei Kaffee und Mousse au Chocolat auf einem Canapé vor dem Schwedenofen verbringen. Es ist eine langsame Reise durch ein Grenzland, in dem sich Italien und Frankreich vermischen und das vor allem eines ist: ein Teil von Okzitanien. Jenem provenzalischen Kulturraum, der die Alpen mit Südfrankreich und den Pyrenäen verbindet.
Dann, irgendwann, entdecken nicht nur wir Täler und Dörfer, sondern werden wir zur Entdeckung selbst. Einheimische bitten uns im Val Germanasca um ein Gruppenfoto und ein Gemeindemitarbeiter telefoniert ins nächste Tal, um bei einem Kollegen nachzufragen, wie dicht die Erlenstauden auf seiner Seite wucherten. Denn Skitourengeher, so erklären uns alle, würden sie hier kaum je sehen. Und so beugen wir uns jeden Abend tiefer über die Karten, suchen Übergänge und Flanken, Forststrassen und Lichtungen, die einen Durchschlupf bieten könnten.

DAS GLÜCK DER TÜCHTIGEN
Doch manche der Pässe lassen uns im Ungewissen. So auch die namenlose Scharte zwischen dem Val Germanasca und dem Val Chisone. Ob wir offene Hänge finden? Lichten Wald? Oder nur Gestrüpp und steile Tobel? – Es scheint das Glück der Tüchtigen zu sein, als wir jenseits des Passes durch Pulverschnee schwingen, eine schlafende Alp hinter uns lassen und eine abgelegene Forststrasse erreichen. Um wenig später winzige Steindörfer zu entdecken, die seit Jahrhunderten auf Felsvorsprüngen sitzen, sich in Lärchenwäldern verbergen und an Grasflanken klammern. In denen hie und da ein Kamin raucht, Hühner Gackern oder ein Hund bellt. Wie Entdecker einer vergessenen Welt fühlen wir uns hier. Gerade so, als wären wir beim Pass durch eine Pforte in eine andere Zeit geschlüpft.
Fünf Tage lang sind wir so unterwegs. Fünf Tage, an denen wir einsam durch die Cottischen Alpen spuren, bis wir auf dem Passo d’Orsiera stehen, hoch über dem Val die Susa. Wie eine Kerbe liegt dieses mit seinen Städten und Strassen zwischen uns und den Gipfeln der Vanoise nördlich davon. In seinem Talboden wird unsere diesjährige Transalp-Etappe zu Ende sein. Doch bevor wir talwärts kurven, drehe ich mich noch einmal um und blicke auf das Gipfelmeer, das wir durchquert haben. Dann schultere ich den Rucksack, lasse die Bindungen der Tourenski zuschnappen und denke mir: Von wegen in den Alpen sei alles entdeckt.

Text: Caroline Fink

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SOIRÉE ZUR TRANSALP

Ein Abend im Namen der TransalpSki

Vergangene Woche hat bergpunkt einmal mehr zu einer Soirée eingeladen, diesmal im Alpinen Museum in Bern.

Vorfreude ist die schönste Freude – das wissen wir schon lange. Doch auch ein Rückblick auf schöne Momente macht glücklich. Beides kultivierten wir von bergpunkt vergangene Woche anlässlich unserer Soirée zum Thema Transalp im Alpinen Museum in Bern: Wir blickten zurück auf zwei Winter Transalp, reisten in grossen Bildprojektionen und Videosequenzen noch einmal nach Nizza, zogen im Sturm durch die Seealpen und genossen den Kaiserschmarrn im Stubai. Und: Wir freuten uns auf alles, was das Projekt noch bringen wird.

Soirée im Alpinen Museum in Bern. Mit auf dem Podium (v.l.n.r.) bergpunkt-Bergführer Daniel Silbernagel, Moderatorin Caroline Fink sowie die Transalp-Gäste Mathis Wallrabenstein und Susanne Härri. Im Rahmen einer Podiusmsdiskussion verriet bergpunkt-Bergführer Daniel Silbernagel ausserdem, dass auch er im Nebel in den wilden Seealpen Frankreichs kein leichtes Spiel hatte; Mathis Wallrabenstein, Gast und Mit-Initiator des Projekts, überzeugte alle davon, dass im Alpenbogen das Abenteuer durchaus noch zu finden ist; und Gästin Susanne Härri erzählte, wie sie auf der Transalp ihr Herz an die Cottischen Alpen Italiens verlor und soeben mehrere Wochen in einer der Herbergen arbeitete, die sie auf der Transalp besucht hatte.

Dass die drei auch diesen Winter eine weitere Strecke des «Traums Transalp» verwirklichen werden, ist keine Frage. Und wer weiss, vielleicht hat dieser bergpunkt-Virus in Bern auch einige der Zuschauer und Zuschauerinnen erwischt. Denn zu spät zum Träumen ist es bei uns nie: Ein Einstieg ins Projekt ist jederzeit möglich. Wir freuen uns auf bisherige und neue Begeisterte, auf den nun baldigen Schnee und unsere weiteren Abenteuer im Alpenbogen!

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DURCH DEN OZEAN AUS BERGEN

TransalpOst 2. Etappe

Föhnsturm und Ferner, Sonnenfinsternis und Sternenhimmel –­ die zweite Etappe im Osten bot ein Glanzlicht nach dem andern. Und führte ganz nebenbei noch vom Ötztal durch die Stubaier Alpen ins Gschnitztal.

Es ist Freitag Vormittag, als wir aus dem Schatten des Morgens auf eine sonnige Kuppe steigen. Eine Insel aus Gras inmitten des Schnees ist sie. Hier schnallen wir die Ski ab, setzen uns auf die Rucksäcke und blicken auf unsere Uhren: Es ist 10.35 Uhr. Wir sind genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort: In fünf Minuten wird die partielle Sonnenfinsternis über Europa ihren Höchststand erreichen!

Das Spektakel am Himmel lässt uns innehalten. Für einen Moment vergessen wir, dass wir für den Traum «Transalp» unterwegs sind. Für jenes Projekt also, das uns in mehreren Jahren von Nizza nach Wien führen wird. Inmitten der Stille der Alpen sehen wir nur noch die Sonne – oder das, was der Mond von ihr übrig lässt. Und wir erleben, wie das Licht sanft und die Luft eiskalt wie im Dezember wird. So kalt, dass wir in unseren Daunenjacken zu frieren beginnen und bald mit klammen Händen und fröstelnd weiterziehen.

Fünf Tage ist es her, seit wir mit dem Zug aus der Schweiz Richtung Osten geschaukelt sind. Vorbei an Bludenz, St. Anton und Landeck bis zur Haltestelle Ötztal, wo ein Taxifahrer unsere Ski und Rucksäcke in einen Minibus hievte. Ein bärtiger Bergler schien er zu sein, doch er war der Berge überdrüssig: Nach Ostern fahre er in den Süden, sagte er uns. Er sehne sich nach dem Meer. Wir hingegen freuen uns in diesem Moment auf die Berge: Auf der zweiten Etappe der TransalpOst wollen wir die Stubaier Alpen vom Ötztal bis ins Gschnitztal durchqueren.

Unterwegs zur Amberger Hütte fühlen wir uns ganz wie in der Schweiz: Andere Tourenfahrer kommen uns entgegen, Schlittler sausen vorbei und Wanderer spazieren dem Winterwanderweg entlang, während dahinter ein Berg als mächtige Pyramide in den Himmel ragt. Ganz wie daheim, eben. Wären da nicht die kleinen Unterschiede: So heisst der wuchtige Gipfel Schrankogel, das Bergbeizli ist eine Jausestation, wir bestellen in diesem Johannisschorle und Topfenstrudel und werden mit einem fröhlichen «Bhietdi!» verabschiedet.

Doch bald treffen wir erneut einen alten Bekannten: den Föhn! Abends schon pfeift er ums Dach der Amberger Hütte und tags darauf begleitet er uns Schritt auf Tritt. Während wir zum Kuhscheibenspitz unterwegs sind, lauert er uns hinter jeder Kuppe auf. Wirbelt uns in Böen entgegen und fegt uns Schnee ins Gesicht. Je höher wir steigen, desto wilder peitscht er um Gipfel und Grate. Im Skidepot zum Kuhscheibenspitz reisst er fast Felle und Ski mit sich fort, bevor wir mit hochgeschlagenen Kapuzen zum Gipfelkreuz kraxeln.

Dann, am dritten Tag ist es auf einmal windstill. Wie blank gefegt breitet sich der Himmel über uns aus, die Sonne hängt als gleissende Kugel im Blau. Als stünden wir im Zentrum einer Lupe brennt sie auf uns hinab, während wir von der Franz-Senn-Hütte aus auf das 3288 Meter hohe Wilde Hinterbergl steigen. Ein kleiner Gipfel mit grosser Aussicht, auf dem das Transalp-Gefühl wieder da ist: In alle Himmelsrichtungen blicken wir und sehen Zacken, Kuppen und Spitzen, deren Namen wir nicht kennen. Wie ein Ozean aus Bergen breiten sich die Alpen rund um uns aus. Ein Ozean, dessen Grösse wir vielleicht nur deshalb erahnen, weil die Namen der Berge hier dem Geist nicht mehr im Weg stehen.

Jeden Tag durchqueren wir ein winziges Stück dieses Gipfelmeeres. Werden zu acht Punkten in der Weite der Ostalpen. Ziehen an blau schimmernden Gletscherbrüchen vorbei, überqueren die weissen Kessel des Alpeiner Ferners oder Berglasferners und steigen über Pässe und Scharten ins nächste Tal. Wobei manche der Übergänge nichts als Durchschlüpfe zwischen Zacken und Türmen sind. Die Ski wie Hinkelsteine auf dem Rücken, stapfen wir dann ein Couloir hoch, um im schmalen Einschnitt die Magie eines jeden Passes zu erleben: den Blick in eine neue Welt. In einen Gletscherkessel oder ein Tal, in dem wir eine neue Hütte oder ein Dorf entdecken werden.

Dann, am Tag der Sonnenfinsternis, sind wir fast am Ende der Stubaier Haute Route angelangt. Als die Sonne wieder mit ihrer ganzen Kraft auf uns scheint, steigen wir hoch zur schlafenden Nürnberger Hütte. Oder besser: zu ihrem Winterraum. Einem Häuschen, in dem wir uns fühlen, als wären wir zu Acht ins Sechserabteil eines Nachtzuges geraten. Doch gegen Abend knistert der Ofen, die Spaghetti dampfen und wir plaudern und lachen, bis die Dunkelheit über die Gipfel zieht und über uns so viele Sterne glitzern, als hätte jemand Diamanten in den Nachtimmel gestreut.

Dass wir am nächsten Morgen mit kleinen Augen hinaus ins die Morgendämmerung treten, macht uns nichts aus. Denn dies wird der letzte Tag dieser Transalp-Etappe sein. Etwas müde werden wir die Ski noch einmal hinein in einen einsamen Gletscherkessel schleifen, die Nürnberger Scharte überqueren und danach talwärts kurven. Bis es auf einmal wieder nach Tannennadeln riechen und ein Bach zu Vogelgezwitscher plätschern wird. Hier, im Gschnitztal, werden wir unsere Bindungen vorerst ein letztes Mal aufschnappen lassen, um wenig später im Gasthof Feuerstein zu sitzen. Vor uns auf dem Tisch: den besten aller Kaiserschmarrn!

Text und Bilder: Caroline Fink

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EINE REISE INS GLÜCK

TransalpSchweiz 1. Etappe

Der Wetterprognosen für die erste Etappe der TransalpSchweiz waren schlecht. Die Erwartungen tief. Doch dann kam alles anders. Aus der Tourenwoche wurde eine Zeit, die nebst Pässen und Gipfeln vor allem eines bot: viele Momente des Glücks.

«Unglaublich», sei die Stimmung auf der ersten Etappe der TransalpSchweiz gewesen, sagt Bergführer Thomas Theurillat. «Diese Woche zwischen Chamonix und dem Saastal war weit mehr als eine Tourenwoche.» Man habe Natelnummern ausgetauscht, Freundschaften geschlossen und einen Verein namens «Pässli&Gipfel» gegründet. «Derzeit arbeiten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen an einer Webseite und lassen T-Shirts drucken!» Wer Thomas zuhört, merkt: So viel Freude in einer Gruppe erlebt auch er nicht alle Tage.

Was das Rezept zum Glück war? Ein guter Mix von tollen Leuten, so Thomas, die sich gegenseitig unterstützt hätten. «Und wahrscheinlich auch die Tatsache, dass die Erwartungen Anfang Woche tief waren.» Der Wetterbericht sei richtig schlecht gewesen, weshalb für manche klar war: Von Arolla nach Zermatt geht es per Taxi. «Doch dann wurde jeder Tag besser, als erwartet».

Gleich am Anfang der Woche hätten sie «recht Gas» gegeben. Der Col du Passon habe einiges an Ausdauer gefordert, zumal sie noch nicht akklimatisiert waren und es galt, die Ski auf dem Rucksack über diesen Pass zu buckeln. Doch der Lohn dafür war fair: Am selben Tag noch kurvte die Gruppe mutterseelenallein im Pulverschnee über das Plateau du Trient, stand wenige Tage später bei schönstem Wetter auf der Pigne d’Arolla und blickte am letzten Tag vom Stockhorn hinüber zum Monte Rosa, der stolz und weiss in den tiefblauen Himmel ragte.

Die Frage, ob diese Gruppe im nächsten Jahr wieder gemeinsam auf die Transalp geht, stellt sich nicht – die Antwort darauf ist klar: So etwas müsse weiter gehen. Vom Saastal ins Tessin? «Nein», sagt Thomas und lacht. «Bis nach Wien!»

Text: Caroline Fink | Fotos: Christine Brogli

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IM OSTEN SCHÖN!

TransalpOst 1. Etappe

Die erste Etappe der TransalpOst führte die bergpunkt-Gruppe und Bergführer Roman Hinder zu den Gipfeln des Südtirols und Ötztals. Wie es dort war? Ein Tagebuch der Teilnehmenden lässt uns eintauchen in die Welt der Kogel, Ferner und Kaiserschmarren.

Sonntag, 30. März: Abendsonne auf dem Balkon Vom schweizerischen Scuol fahren wir im Nu mit dem Bus nach Nauders. Direkt aus dem Skigebiet geht es auf eine Eingehtour mit leichtem Gepäck. Durch ein abgelegenes Tal steigen wir hinauf zum Pedrossschartl. Die Abfahrt? Stahlblauer Himmel, milde Temperaturen und perfekter Pulverschnee! Den Abend verbringen wir anschliessend im Langtauferer Hof in Graun im Südtirol, wo wir in der Abendsonne auf dem Balkon sitzen, bis uns südtiroler Gastfreundschaft und ein Nachtessen ins Gasthaus locken. So kann es weitergehen! PS: Wir, das sind übrigens Martina, André, Bernd, Roberto und Bergführer Roman.

Montag, 31. März: Weitblick auf der Langtauferer Spitze Wir starten morgens im Dunkeln und ziehen nach Tagesanbruch gemächlich vorbei an der Melager Alm, an der Weisskugelhütte und weiter über den Langtauferer Ferner in Richtung Langtauferer Joch. Immer wieder blicken wir zum mächtigen Gletscherabbruch des Gepatschferners hoch. Bis die Route unsere ganze Aufmerksamkeit verlangt: Spitzkehren, Ski aufschnallen, am Seil sicher hochsteigen bis ins Joch und weiter auf die 3529 Meter hohe Langtauferer Spitze. Hier wird der Aufstieg von fast 1800 Höhenmetern belohnt: Wir blicken von den Dolomiten über den Ortler Alpen bis zur Bernina! Windjacke und Softshell bleiben im Rucksack – dank der schon heissen Mittagssonne. In weiten Bogen geht es danach über den Hintereisferner talwärts bis zum Hochjoch Hospiz. Wo uns auffällt: Fast unbemerkt haben wir heute die Landesgrenze von Italien nach Österreich überquert.

Dienstag, 1. April: auf der mächtigen Weisskugel Früh morgens steigen wir in der frischen Morgenluft über den Hintereisferner. Immer schön in Richtung unseres Tagesziels: der Weisskugel. Nur – wo ist sie denn? Erst nach einem langen Aufstieg lässt sich der imposante Gipfel das erste Mal blicken. Doch jeder Höhenmeter der Tour lohnt sich: Auf dem Wintergipfel der 3739 Meter hohen Weisskugel fühlen wir uns wie auf einem Thron, als wir auf die Welt der Ötztaler und Stubaier Alpen blicken. Wir sind uns einig: Das ist einfach kaiserlich! Wie übrigens auch die anschliessende Abfahrt. Durch samtigen Firn schwingen wir nach Kurzras, wo wir die Sonnenterrasse und Sauna an einem Ort geniessen, dessen Name Programm ist: im Gasthof «Schöne Aussicht».

Mittwoch, 2. April: Steigeisen und Kaiserschmarren (endlich!) Nach zwei langen Tagen ist heute die nahe Fineilspitze unser Ziel. Im Morgenlicht ziehen wir los, steigen dann vor der Kulisse der Ötztaler Bergwelt vorbei am Hauslabjoch zum Skidepot, zurren die Bändel der Steigeisen fest und steigen an Romans Seil über besten Trittschnee zum Gipfel hoch. Und wieder staunen wir: Was für ein Panorama! Allerdings sehen wir diesmal auch die Wolken, die von Süden her in unsere Richtung schleichen und wenig später unser Gipfelziel in Watte hüllen. Was uns indes wenig kümmert: Schon am Mittag sitzen wir auf der Terrasse der Martin-Busch-Hütte, wo immer noch die Sonne scheint. Hier strecken wir die Beine, schreiben, lesen, dösen und: essen endlich den Kaiserschmarren, von dem wir tagelang geredet haben!

Donnerstag, 3. April: Gletschertore und Canyons des Gurgler Ferner Heute steht der 3540 Meter hohe Schalfkogel auf dem Programm. Zur Abwechslung bleibt der Himmel über uns jedoch bedeckt und ein kräftiger Wind weht. Ausserdem wartet die Abfahrt heute mit Bruchharst auf, was einem Test für Ski und Fahrer gleichkommt. Dabei wissen wir eines besonders zu schätzen: unsere super Gruppe! Wir nehmen es gemütlich und helfen uns dann und wann gegenseitig wieder auf die Beine. Weiter unten am Gletschertor des Gurgler Ferners staunen wir nicht schlecht: Wir stehen vor einer riesigen Eishöhle! Und als wäre das nicht Spektakel genug, kurven wir danach durch einen eindrücklichen Canyon, den der Gletscher zurückgelassen hat, hinab ins Tal.

Freitag, 4. April: das Eiskögele und die Vorfreude Kaffee oder Tee? Wir kommen um halb sieben noch verschlafen zum Frühstück, während der Hüttenwirt Brot, Wurst und Käse herrichtet. Doch das Frühstück tut gut, denn heute geht es noch einmal richtig zur Sache: Über das Hochebenkar folgen wir einer glasigen Spur in Richtung Eiskögele, über dessen luftig ausgesetzten Grat wir mit Steigeisen und am Seil Schritt für Schritt zum Gipfel gelangen. Um dann in der Abfahrt eine nette Überraschung zu erleben: Im perfekten Pulverschnee schwingen wir hinab, ziehen dann im weichen Frühlingsschnee noch ein paar Kurven und erreichen das Dorf Obergurgl – traumhaft! Noch einmal bestellen wir Johannisbeerschorlen und Bier, stossen an auf unsere Woche, auf die stillen Aufstiege, die Gipfelausblicke, die Schwünge in Pulver und Sulz. Und freuen uns dabei auf die zweite Etappe der TransalpOst!

Text: André, Bernd, Martina, Roberto | Fotos: Roman Hinder | Redaktion: Caroline Fink

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PER ZUFALL AUF DER TRANSALP

TransalpSüd 1. Etappe

Die Schwedin Bibi Hamrin reiste von Stockholm nach Nizza, um per Tourenski die Seealpen im Rahmen der ersten Transalp-Etappe zu durchqueren. Dass sie dabei Teil des Projekts Transalp wurde, war indes ein Zufall. In einem Gespräch via Telefonleitung Schweiz-Schweden erzählt sie nach ihrer Heimreise davon, wie es dazu kam.

Bibi, du lebst in Stockholm. Wie bist du überhaupt zum Skitouren gekommen?
Bibi Hamrin: Das begann schon ganz früh. Als Kind lebte ich in einem Dorf, in dem es einen Skilift und eine Piste gab. Dort lernte ich Skifahren. Als Jugendliche besuchte ich mit den Eltern dann zum ersten Mal die Alpen.

Woraus viele Male werden sollten…
Ja. Später war ich viel mit Freunden in den Alpen unterwegs. Zum Hochtouren, Skitouren und Klettern.

Und wie bist du auf die Idee gekommen, den Alpenbogen per Tourenski zu durchqueren?
Auf die Idee kam ich gar nicht.

Du schmunzelst. Wie macht man eine Transalp-Etappe ohne die Transalp zu kennen?
Ganz einfach: Indem man die Ausschreibung nicht im Detail liest. Ich war oft mit bergpunkt unterwegs und wollte auch diesen Winter eine Skitourenwoche buchen. Dabei achtete ich nur auf das passende Datum…

… und fandest dich wieder im Projekt Transalp.
Genau. Ich musste lachen, als ich das in Nizza merkte.

Transalp hin oder her: Hat es dir gefallen in den Seealpen?
Sehr. Diese Gegend der Alpen ist wild und einsam, die Stimmung in der Gruppe war gut und die Route abwechslungsreich. Dank guten Verhältnissen konnten wir auch ein paar steilere Couloirs durchsteigen. Sowas mag ich.

Gab es ein Glanzlicht? Einen Moment, den du nie mehr vergisst?
Als wir vor dem unbewarteten Rifugio Questa sassen, beobachteten wir einen Adler, der eine Gämse jagte. Die Gämse rannte wie verrückt durch den Schnee, während der Adler darauf zu warten schien, dass sie hinfallen würde. Doch am Ende rettete sich die Gämse unter einen Felsvorsprung. So etwas habe ich noch nie zuvor gesehen. Das war einer von vielen speziellen Momenten. Die Woche insgesamt war super.

Was die Frage aufs Tapet bringt: Wirst du die Transalp weiterführen?
Manche Teile der Alpen kenne ich schon sehr gut. Aber da ich nun per Zufall Teil eines Projekts wurde, sage ich: Ja, mindestens bis Chamonix werde ich dabei sein!

Bibi Hamrin, 56, arbeitet als Importeurin und Testerin von Kletter- und Expeditionsmaterial und lebt in Stockholm. Sie mag Klettertouren, Hochtouren und Skitouren und ist seit mehreren Jahren mit bergpunkt unterwegs.

Interview: Caroline Fink
Foto: Archiv Bibi Hamrin

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MERCANTOUR DIE ZWEITE

TransalpSüd 1. Etappe

Letzte Woche war die zweite Gruppe unterwegs in den Seealpen, der Auftaktetappe der Transalp. Einige Eindrücke dieser Tourenwoche «Mercantour» zwischen Nizza und dem italienischen Valle Stura hat Bergführer Daniel Silbernagel eingefangen. Vorhang auf!

WER IST HIER AM WERK?

Bonjour, buongiorno, guten Tag allseits! Hier ein kurzer Post dazu, wer auf diesem Blog am werken ist. Das bin ich, Caroline Fink, eine Alpinautorin und Bergfotografin aus Zürich, die gern durch die Alpen streift auf der Suche nach abgelegenen Winkeln und inspirierenden Menschen und Momenten.
Ich freue mich sehr, das Projekt Transalp in Text, Bild und Film zu begleiten. Denn eines gebe ich zu: Seit jenem Moment, als ich mit der ersten Transalp-Gruppe mit Ski am Strand von Nizza stand, träume ich von der grossen Traversierung der Alpen und vielleicht auch schon ein wenig von der Ankunft in Wien. In dem Sinn wünsche ich allen BesucherInnen des Blogs viel Freude beim Stöbern. Und dem Projekt und allen Transalp-EnthustiastInnen: bon courage, toi toi toi, in bocca al lupo!

KAMERA LÄUFT…

TransalpSüd 1. Etappe

Hier ein paar Eindrücke unserer ersten Etappe des Projekts Transalp, unterwegs von Nizza ins italienische Valle Stura. Wir sagen: Film ab!

TRANSALP, DA SIND WIR!

TransalpSüd 1. Etappe

Das Projekt Transalp ist gestartet. Auf der ersten Etappe zwischen Nizza und dem italienischen Valle Stura erlebte unsere Gruppe Höhen und Tiefen, Stürme und Sterne und vor allem: viel, viel Schnee.

Der Taxifahrer in Nizza schüttelt den Kopf. Immer wieder. Schweizer mit Tourenski an der Côte d’Azur – nein, so etwas sieht er nicht alle Tage. Er versteht unseren Plan nicht, ist aber einverstanden, einen Umweg zu fahren für dieses eine Foto: wir mit Ski am Meer.

Er lenkt seinen Minibus zum perfekten «Kodak Point» und so posieren wir vor der Weite des Mittelmeers. Den Geruch von Salz in der Nase, Sand unter den Füssen, während Möwen über uns schreien und die kühle Morgenbrise durch die nahen Palmen streicht.

Zwei Stunden später bläst uns der Wind Schneeflocken ins Gesicht. Wir schleifen die Tourenski durch Neuschnee, vorbei an alten Lärchen, weiter und weiter hinauf in die Gipfelwelt der Seealpen. Und trotz des harschen Wetters kribbelt es im Bauch: Wir haben das «Abenteuer Transalp» begonnen. Jenes Abenteuer also, die Alpen ihrer Länge nach auf Tourenski zu durchqueren.

Manchmal nennen die Franzosen diese Berge «Les Alpes Océanes». Als wären die Gipfel gestern dem Meer entstiegen, bergen sie die Wucht und Wildheit von Stürmen auf hoher See in sich. Vom Wind umtost, ragen sie in Türmen und Zacken mit mächtigen Flanken in den Himmel – Siebentausender im Kleinformat.

Auch uns begrüssen sie mit der Urkraft eines Ozeans. Während den ersten zwei Tagen fühlen wir uns wie in einer Waschmaschine aus Sturm und Schnee. Die Kapuzen tief in die Stirn gezogen, den Blick auf unsere Skispitzen gerichtet, gehen wir langsam voran.

Ein Glück, dass es inmitten dieses weissen Wirbels hie und da ein Pünktchen Geborgenheit gibt: etwa das Refuge de Nice. Zwei Tagen lang bietet es uns wie eine gutmütige Grossmutter Zuflucht, während draussen der Wind pfeift und jault und die Hütte langsam im Schnee versinkt.

In der warmen Stube bei Hüttenwart Christophe warten wir auf besseres Wetter. Sitzen am Ofen, dösen, plaudern und vergessen ob Christophes frisch gebackenem Heidelbeerkuchen selbst, dass wir hier festsitzen…

Doch dann, irgendwann, glitzern nachts so viele Sterne, als hätte jemand den Himmel mit leuchtendem Pulver bestäubt. Unsere Zeit ist gekommen und wir ziehen Tag für Tag weiter. Lassen das Refuge de Nice hinter uns, das Dörfchen Boréon, den Col de Salèse.

Manchmal schleichen wir schon morgens früh wie Diebe in der Dunkelheit davon, während die Lichter unserer Stirnlampen wie Glühwürmchen durch die Nacht tanzen. Dann tauchen wir ein in Lärchenwälder und ziehen über sonnige Flanken, während der Himmel so reglos und blau über uns liegt wie das Meer bei Flaute.

Nur auf den Pässen, zwischen den Zacken und Türmen der Gipfel, erinnern uns die Seealpen immer wieder daran, dass sie die Wilden im Süden sind: Hier zerrt der Wind an unseren Jacken, fegt uns Eiskristalle ins Gesicht und beim Abfellen flattern die Felle in den Händen wie eingefangene Vögel.

Doch das stört uns nicht: Wir ducken uns, schliessen rasch die Schnallen, schultern immer wieder die Rucksäcke, lassen die Bindungen zuschnappen und schwingen hinab – durch stiebenden Pulverschnee, durch lichte Wälder und langen Tälern entlang. Bis wir nach fünf Tagen am Ziel sind: im Dörfchen Sambuco im Valle Stura.

In kurzer Zeit sind wir zu einem verschworenen Trüppchen geworden. Haben Wind und Wetter getrotzt, die Landesgrenze von Frankreich nach Italien per Ski überquert und 60 Kilometer Neuland entdeckt. Dabei haben wir ein kleines Stück des grossen Traums verwirklicht: die Alpen aus eigener Kraft zu durchqueren.

Als wir in Sambuco in der Osteria della Pace sitzen, in einem Espresso rühren und uns auf die piemontesischen Gnocchi freuen, träumen wir denn auch schon ein wenig von den nächsten Etappen. Von den Gipfeln der Vanoise, den Eisströmen der Westalpen, dem fernen Grossvenediger… und ein klein wenig von der Ankunft in Wien.

Text und Bilder: Caroline Fink

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